2. OSTERSONNTAG

Erste Lesung aus der Apostelgeschichte (2,42-47):

Evangelium nach Johannes 20,19-31:

 

Ostern, das Bewusstsein, dass Jesus lebt und bei ihnen ist, hat das Leben der Freunde Jesu umgekrempelt: Sie werden Menschen, die mutig und überzeugt von Jesus reden. Sie schließen sich zusammen, bilden eine brüderliche, geschwisterliche Gemeinschaft, die das Abendmahl miteinander feiert und gemeinsam betet. Sie kümmern sich um einander (wenn jemand in Not ist helfen sie ihm, auch mit Geld). Und ihre Zusammenkünfte sind von Freude und Herzlichkeit erfüllt. Deswegen werden sie vom Volk geachtet und es stoßen immer wieder Menschen zu ihnen. So sind attraktive Gemeinden entstanden.

Woanders in der Apostelgeschichte wird gesagt: Sie richten ihr Gemeinschaftsleben nach vier Grundprinzipien: Sie halten fest an der Lehre der Apostel, d.h. an dem, was sie von und über Jesus erfahren haben; sie halten fest am Gebet, an der Gemeinschaft, am „Brechen des Brotes“, d.h. an der Eucharistiefeier. Das sind die Grundpfeiler, die vier Säulen, auf die ihr Leben als Christen gegründet ist. Das macht sie zu Christen. Und all dies in einer guten Atmosphäre: Es herrschen in ihrer Gemeinde Freude und Herzlichkeit.

Hier haben wir die Kriterien für eine gute Pfarrgemeinde, das, was eine christliche Gemeinde ausmacht. Ist das bei uns auch so? Herrschen bei uns auch Freude und Herzlichkeit, und zwar aus dem Glauben heraus?

Es geht also darum, dass wir festhalten an Jesus, an seinen Worte und Taten, an seiner Lebensweise; dass wir versuchen es zu tun wie er. Ich muss wissen was Jesus gesagt und gemeint hat. Ich muss verstehen, was ich glaube. Mich um Glaubensvertiefung bemühen. Das ist ein Prozess, der ein Leben lang dauert. Die Person Jesu war so reich, dass ich mich immer wieder, ein Leben lang mit ihm auseinandersetzen soll. Es soll ein vernünftiger Glaube sein, ein Glaube, den ich vor meiner Vernunft verantworten kann.

Für einen Christen ist es ganz wichtig zu beten. Damit ist viel mehr gemeint, als ein sprechen von vorformulierten Gebetstexten. Mein Sprechen zu Gott muss aus dem Herzen kommen. Ich muss vor Gott das aussprechen, was mich zutiefst bewegt, Gott regelmäßig danken, für alles Schöne in meinem Leben, von Gott erbitten, was ich für mich und für andere erhoffe. Nur so kann unsere persönliche Beziehung zu Gott lebendig bleiben. Wer nicht mehr betet, hört auf zu glauben, seine Vertrauensbeziehung zu Gott wird immer schwächer.

Auch unsere Beziehung zueinander ist wichtig. „Ihre Zusammenkünfte waren von großer Freude und aufrichtiger Herzlichkeit geprägt“, heißt es. Mitbauen am Reich Gottes in dieser Welt kann ich nur zusammen mit anderen, die das auch wollen und die auch an Jesus festhalten. Christlicher Glaube ist immer auch ein Gemeinschaftsglaube. Der kritische Thomas aus dem Evangelium ist zum Glauben an den auferstandenen Jesus gekommen, indem er in der Gemeinschaft der Apostel geblieben ist und indem er von ihnen angenommen blieb - trotz seinem Zweifel. Glaube und Zweifel schließen sich nicht aus. Zweifel kann eine Entwicklungsphase des Glaubens sein.

Diese Glaubensgemeinschaft, diese Beziehung zu Gott und zueinander wird eindeutig spürbar im „Brechen des Brotes“, in der sonntäglichen Eucharistiefeier. Hier sprechen wir, durch Gebet und Gesang, unseren Glauben aus. Und hier wird unser Glaube auch genährt, gestärkt durch das Wort Gottes, das wir in den biblischen Lesungen hören. Die sonntägliche Eucharistiefeier ist für mein Christsein lebenswichtig, sonst verwässert es.

So hat das christliche Leben damals angefangen. Das waren die Konsequenzen des Ostergeschehens. Nur so können wir heute als Christen in dieser Welt bestehen.

Zum Archiv